Roland Ionas Bialke - Indymedia - 19. Mai 2008
Heute, am 19. Mai 2008, trat der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso am
Brandenburger Tor in Berlin vor über 20000 Menschen auf. Unter dem
Motto "Freiheit für Tibet - Tibet für die Welt" wollte er sein
nationalistisches Konzept unter die Leute bringen. Darum blieb am
heutigen Tag anti-nationalistischer Protest nicht aus.
Am Brandenburger Tor drängten sich die Menschen. Überall tibetische Nationalfahnen, oft auch deutsche Nationalfahnen. Der Dalai Lama suchte die Unterstützung von Deutschland, lobte die westlichen Menschenrechte. Doch was steckt dahinter? Der Dalai Lama argumentiert zumeist in einer völkischen Weise. Er aktzeptiert Nationen, also die ethnische Abgrenzung. Darum macht es ihm auch nichts aus sich mit der CDU und anderen rassistischen Organisationen zu verbünden.
Was für eine menschenwürdige Freiheit, wenn Menschen in Abschiebeknästen misshandelt werden und sterben. Was für eine menschenwürdige Freiheit, wenn PolizistInnen auf DemonstrantInnen einschlagen und sie erblinden lassen.
Vom Moderator Ralf Bauer, dem Journalisten Franz Alt und dem CDU-Generalsekretär Heiner Geißler bekam die Menge dann erklärt, dass der Dalai Lama mit "Seine Heiligkeit" angeredet wird und dass sich immer vor Tenzin Gyatso verbeugt werden muss. Die DemonstrantInnen aktzeptierten das. Sie machten mit und rechtfertigten so den Führerstatus des Möchtegern-Despoten. Gegen 17 Uhr traf dann der Dalai Lama auf der Bühne ein.
Ich stand etwa in der zwanzigsten Reihe, was angesichts der dicht gedränten Leute sehr nah war. Als sich der Applaus gelegt hatte wurde es still und der Dalai Lama wollte seine Ansprache beginnen. Doch dazu kam er erstmal nicht. Ich buhte den Dalai Lama aus, sodass die gesamte Aufmerksamkeit auf mich gerichtet war. Daraufhin rief ich "Rassistenschwein"* und "Kein Tibet, kein China, kein Deutschland". Wurde noch eben großspurig auf der Bühne von Meinungsfreiheit gefaselt, so zeigte sich nun das wahre Gesicht der Demonstration. Von mehreren Demonstranten wurde mir der Mund zugehalten und meine Arme festgehalten. Es wurde versucht mich aus dem Frontbereich der Bühne zu entfernen. Dabei konnte ich aber trotzdem weiter schreien. Ich rief "No Border! No Nation! Stop Deportation!" und immer wieder "Kein Tibet, kein China, kein Deutschland". So gewaltfrei war dann der Protest für Tibet auch nicht. Von einigen Demonstranten wurde ich dann aus der Menge gezogen. (Es waren keine OrdnerInnen, sondern Demonstranten die gegen mich Gewalt anwendeten.) Ich muss dazu bemerken, dass sich die meisten DemonstrantInnen vollkommen apathisch verhielten, also auch nicht die Gewalt gegen mich verhinderten.
Als ich dann die Menge verliess verfolgte mich ein Trupp HundertschaftspolizistInnen. Ich schreibe "Verfolgung", weil die PolizistInnen mehr als zwei Strassenzüge hinter mir her gingen. Auf mein Nachfragen ("Kann ich Ihnen helfen?") reagierten sie nicht, liessen aber später von der Vergolgung ab.
Aber was hatte ich erwartet? Eine Demonstration ist ein Mittel bei dem Menschen, auch Menschen mit unterschiedlichen Meinungen, ihre Meinungen nach aussen tragen können. Aber bei dieser Demonstration ging es nicht darum, dass jeder Mensch gleichberechtigt die Meinung kundtun durfte, sondern einer "oben" sollte "angehimmelt" werden.
Nur schade, dass anti-nationaler Protest sonst nicht wahrnehmbar war. Wirklich gruselig was hier momentan so abgeht.
*(Das Wort "Schwein" ist mir so rausgerutscht. Dafür möchte ich mich hier öffentlich entschuldigen. Ich wollte kein Mensch-Tier-Vergleich bedienen! Ursprünglich wollte ich "Rassist" rufen.)