Roland Ionas Bialke - Indymedia - 30. Mai 2008
Gestern, am 29. Mai 2008, fand im Zuge der Freiraum-Aktionstage der Kampagne "Wir Bleiben Alle" (WBA) eine Fahrraddemonstration unter dem Motto "Wir beradeln das Spreeufer. MediaSpree platt machen!" statt.
Ab 16 Uhr war der Heinrichplatz im Berliner Bezirk
Kreuzberg-Friedrichshain mit bunten Menschen auf Fahrrädern gefüllt.
Doch noch sollte es nicht losgehen, weil auf weitere DemonstrantInnen
gewartet wurde. Dies nutzte die Polizei aus um DemonstrantInnen
anzusprechen, ob diese an der Demonstration teilnehmen wollten.
Wenn ja, so meinte die Polizei, sollten "sie mitkommen". Da kein
Interesse bestand auf eine Annäherung dieser Weise einzugehen,
wurde die ausspähende Polizei so gut das möglich war ignoriert.
Etwa gegen 17 Uhr fuhr die Fahrraddemonstration dann los. Begleitet wurde die Demonstration von einem fahrradfahrenden Polizisten, vielen mit PolizistInnen besetzten Polizeitransportern und Fahrzeugen einer Berliner polizeilichen Spezialeinheit für "politisch motivierter Strassengewalt" (PMS). Was diese Menge an PolizistInnen dort wollte und warum Polizeibeamte für "politisch motivierte Strassengewalt" bei einer solchen friedlichen und bunten Demonstration suchten, dass bleibt doch sehr fragwürdig.
An der Demonstration selbst nahmen etwa 300 Menschen teil. Zwei Musikanlagen und viele Menschen mit selbstgebauten Fahrrädern waren auch am Start. Das Wetter war heiss, die DemonstrantInnen dementsprechend gut gelaunt - Schwarz, bunt, klingelnd, hupend und stellenweise Parolen rufend.
Auf der Route der Demonstration lagen sehr viele Freiräume, Besetzte Häuser, Wagenplätze, aber auch kapitalistische Bauprojekte, grösstenteils von MediaSpree, brachliegende und abgesperrte Baustellen, sowie kommerziell genutzte Flächen und Räume. Die Demonstration stoppte zum Beispiel vor der Köpi, ein lange Zeit bedrohter Freiraum, neben dem ein Wagenplatz für eine Bauruine weichen musste. Aber auch vor dem Schwarzen Kanal, ein Frauen-Lesben-Transgender-Wagenplatz, wurde eine Zwischenkundgebung abgehalten und den Menschen, leider kaum PassantInnen, erklärt, was der Schwarze Kanal ist und dass SpekulantInnen den Schwarzen Kanal weg haben wollen. Eine weitere Zwischenkundgebung fand vor der O2-Arena statt. Ob die O2-Arena gut oder schlecht aussieht, das ist eher Geschmackssache, aber über eines lässt sich nicht streiten: Menschen mit wenig Geld, beispielsweise HartzIV-BezieherInnen, können sich Veranstaltungen in der O2-Arena nicht leisten. Dieser Raum ist nicht frei und für alle da, sondern nur für geldreiche Menschen gemacht.
Vor einem jahrelang abgesperrten, brachliegenden Grundstück wurde von einer Theatergruppe ein kleines Schauspiel veranstaltet: Drei fiese SpekulantInnen verhandelten vor diesem Grundstück über dessen Verwertung. Daraufhin wurden die SpekulantInnen von den mitspielenden DemonstrantInnen bedrängt und teilweise enteignet. (Es waren, wie schon bemerkt, SchauspielerInnen und die Stimmung war, durch das Theaterstück, sehr lustig.)
Eine Zwischenkundgebung wurde durch die Polizei dazu genutzt um zu provozieren. So wurde der Demonstration für die Zwischenkundgebung ein zu kleiner Platz eingeräumt, auf dem nich einmal ein Viertel der DemonstrantInnen Platz gefunden hätten. Die mobilen DemonstrantInnen nahmen sich allerdings ihren Platz, um nicht zwischen Polizeiautos eingepfärcht zu werden. Auch bei einer Auffahrt auf eine Anhöhe provozierte die Polizei indem ein Polizeitransporter vor der Demonstration extrem langsam wurde. Die friedlichen fahrradfahrenden DemonstrantInnen nahmen es aber sportlich und liessen sich nicht durch die Polizei provozieren.
Die Demonstration wurde sehr gut durch Redebeiträge begleitet, für aussenstehende Menschen war ganz klar wahrnehmbar um was es ging. Im Rahmen von der Wir-Bleiben-Alle-Kampagne und im Zeichen von "MediaSpree Versenken!" war diese Demonstration eine sehr tolle Veranstaltung.